18. August 2015

Dialogforum Vorbeugende Sozialpolitik

Themenentwicklungsworkshop III: „Was hat das jetzt eigentlich gebracht?“ Zur Evaluation präventiver Maßnahmen und Programme

Referent: Dr. David H. Gehne, Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung der Ruhr-Universität Bochum (ZEFIR)

„Vorbeugen ist besser als Nachsorgen“ – das Prävention im Sozialbereich „irgendwie“ positiv wirkt, ist grundsätzlich wohl kaum umstritten. Wenn es jedoch um konkrete Investitionen in präventive Programme geht, reicht die bloße Behauptung von Erfolgen oder Erfolgsversprechen in der Regel nicht mehr aus. Angesichts begrenzter finanzieller Mittel gibt es immer deutlichere Bestrebungen, Sozialpolitik „evidenzbasiert“ zu steuern; auch vorbeugende Sozialpolitik steht hinsichtlich ihrer Effektivität und Effizienz unter verschärfter Beweislast.

Die wissenschaftliche Evaluation sozialpräventiver Maßnahmen und Programme steht jedoch vor erheblichen methodologischen Herausforderungen. Angesichts einer Vielzahl potenziell intervenierender Kontextvariablen und langer Wirkungsketten ist es nur schwer möglich, die konkreten (Langzeit-)Wirkungen präventiv-investiver sozialpolitischer Interventionen nachzuweisen, womit auch die Frage der Übertragbarkeit und Verallgemeinerungsfähigkeit der Evaluationsergebnisse oftmals ungeklärt bleibt. Eine Eruierung relevanter Wirkfaktoren, die die vielschichtige Realität in den Kommunen nicht von vorneherein ausblendet, erfordert komplexe Forschungsdesigns, die sowohl qualitative als auch quantitative Methoden integrieren - dies ist zeitaufwändig und teuer und lässt sich nicht gleichsam „nebenbei“ erledigen. Bislang fehlt es in NRW allerdings an klaren Rahmensetzungen über Art und Umfang von Evaluationen präventiv-investiver Programme.

Darüber hinaus werden an die Evaluationsforschung teilweise widersprüchliche Erwartungen gestellt: Auf der einen Seite möchten kommunale Entscheidungsträger gerne möglichst genau wissen, mit welchen präventiven Angeboten in welchen sozialen Räumen und bei welchen Zielgruppen sie den größten Effekt erzielen können; von der Wirkungsforschung wird erwartet, Kommunen und freien Trägern abgesichertes Handlungswissen und konkrete Orientierungen zur Verfügung zu stellen. Auf der anderen Seite besteht ein mehr oder weniger subtiler Druck auf die Evaluationsforschung, konkrete Erfolgsstorys im Sinne von „Präventionsrenditen“ (Hannelore Kraft) zu präsentieren und damit zur politischen Legitimationsbeschaffung beizutragen. Wie ist in diesem Spannungsfeld zwischen wissenschaftlich-methodischem Anspruch, konkreten Problemlösungsbedarfen und politischem Legitimationsdruck eine kritisch reflektierende, „nachhaltige“ Wirkungs- und Evaluationsforschung im Bereich der vorbeugenden Sozialpolitik möglich?

Dr. David H. Gehne, Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung der Ruhr-Universität Bochum (ZEFIR), wird auf der Grundlage der bisherigen Erfahrungen aus der Begleitforschung zum NRW- Modellvorhaben „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ einen Impulsvortrag zum Thema des Workshops halten.

- Datum: 18. August 2015, 14.00 - 17.00 Uhr 

- Ort: Geschäftsstelle des FGW (Kronenstraße 62, 40217 Düsseldorf)

Das Programm finden Sie hier.